…dann war es wieder hell – Das U&D 2011

Es dämmerte schon, als ich Samstag Morgen, in der einen Hand meine Gitarre, in der anderen meinen gefühlt viel zu schweren Gitarrenverstärker, zwei Stockwerke in mein Zimmer hoch schleppte, welches inzwischen auch als Bandraum dient. Richtig müde und sehr glücklich fiel ich in mein Bett. Das Konzert in den Posthallen sprengte sämtliche Vorstellungen in meinem Kopf. Und ich war richtig nervös vorher. Eigentlich komisch. Bin ich nie. Lag das an unserem Posaunist, der um kurz vor 1 Uhr immer noch nicht da war oder den Leuten mit unbekannten Nummern, die uns ständig Backstage anriefen „Wann spielt ihr denn endlich geile scheisse!?“ ? Wie auch immer, jedes Fünkchen Nervosität war mit dem ersten Ton wie weggeblasen. Die Halle tobte, schrie, sang mit, tanzte und platzte aus allen Nähten.Aufblasbare Pool
Es war ein Jammer, am nächsten Tag fuhr der Rest der Band The Instant Voodoo Kit nach Brandenburg um noch ein weiteres Konzert zu spielen. Ich konnte nicht mit. Arbeit. Abends rief ich sämtliche Freunde an: „Wie schauts aus, kommst du mit aufs U&D?“ Es kam immer die gleiche Leier: „Boah nee, ich bin zu verkatert, aber geiles Konzert gestern!“ oder „Uff, ich hab nur 3 Stunden geschlafen“ … Pappnasen ! Ok, dann halt nicht. So radelte ich alleine los. Zum Glück regnete es nicht mehr. Kurz darauf fand ich mich alleine auf dem U&D wieder. Werde ich ein paar Leute treffen die ich kenne? Schließlich hatte ich ja schon viele angerufen. Mein Mut sank als ich fünf Minuten über das Gelände lief und niemand traf. Ablenken. Bier. Zigaretten. Band angucken. Das funktioniert immer. Man schwimmt mit der Masse mit. Soll ich mein Baby anrufen? Ich hasse alleine weggehen. Muss man das?
Doch schon bald wurde ich erschlagen von vielen netten Leuten, die mich auch ohne Schminke und Mütze erkannten. Ich lauschte Geschichten und Reaktionen: Von stundenlangem Warten und Nichtreinkommen im Regen vor den Posthallen. Von Bloggern und Radiomoderatoren. Von Clubbesitzern die uns bald haben wollen und einem gewissen Cocktail, den ich ich nachts in den Posthallen spendiert bekam. Ich nenne ihn JamBerry (JackieBerry) mit Jameson-Whiskey, Grenadine, Sprite und jede Menge Eiswürfeln, von dem ich gar nicht genug bekommen konnte. Den MUSS ich empfehlen!
Ich landete Backstage in den Posthallen mit tollen Leuten. Ein Clubbesitzer erzähle mir Geschichten von einigen Bands. Von Untergängen. Von den kleinen PartyGigs und den großen Bühnen. Von Bankrotts. Von dem ganzen System, das dahinter steckt. Business. Vom Auf und Ab. Seine eigene Stadt zur Homebase machen! Das war ziemlich viel. Eine Prognose sprach er über uns nicht aus. Dafür war ich ihm dankbar. Die wollte ich auch gar nicht hören, denn ich weiß, wenn wir uns als Band das nächste Mal in meinem Zimmer treffen und der erste Ton gespielt wird, haben wir einfach ein Haufen Spaß (auch ohne Konzept), was das wichtigste ist.
Eigentlich wollte ich an diesem Abend nur ein oder zwei Bier auf dem U&D trinken. Doch dann war es wieder hell als ich heimkam.

Benski


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